Das Käthchen von Heilbronn

 

Das Käthchen von Heilbronn

Ein Theater-Solo nach Heinrich von Kleist neu verfasst von Eunike Engelkind

Günther Emig und Eunike Yumika Engelkind anlässlich Goethes 264.
( Auf der Wartburg zu Heilbronn mit Dr. Emig, wissenschaftlicher Leiter des Sembdner-Kleist Archivs, 28. August 2013)

„Eunike Engelkind versteht es die Vielfalt von Personen durch sich handeln und sprechen zu lassen. Dabei steht die Sprechweise, Haltung mit Bewegung bis in die Art des Schrittes ihr wie ein Werkzeug zur Verfügung, um das Charakteristische all der Menschen herauszuarbeiten: das scheue, reine Käthchen in seiner Demut, die sich schlängelnde herrische Kunigunde, der aufrechte Graft Wetter von Strahl, der erhabene König, um nur einige zu nennen. Durch ihr Spiel tauchen die Besucher ganz in das Geschehen ein voll Anerkennung auch für die Beherrschung all der Wortlaute des Werkes.“
Mühlacker Tagblatt, 18.Mai. 2012

 

Inhalt:

Das Käthchen, das sich durch nichts beirren lässt, den ihr vorgezeigten Weg zu gehen, der zu ihrem Bräutigam führt. Dieser, der Graf Wetter von Strahl, aber will davon nichts hören, da sie ihm aristokratisch gesehen nicht ebenbürtig ist. Und Kunigunde von Turneck, die ihn durch der Schönheit Schein ordentlich zu betören weiß…

Nun, ist der Weg Käthchens auch noch so hart, sind die äußeren Umstände von Bitternis gezeichnet – sie geht weiter. Im Laufe dessen hat sie einige Proben zu bestehen. So geht sie durch Feuer, Luft und Wasser, stets geleitet durch ihren Willen und die Gefühlssicherheit, das Richtige zu tun. Anstatt wie Kunigunde heimtückisch manipulierend, vertraut sie ihrer Bestimmung. Dieses Wissen um das, was sein soll, macht sie so allmächtig und erhaben wie Kleists Amazone Penthesilea.

Meine Fassung:
Ich gebe einem mehrstündigen Drama mit über 20 Personen eine Form, in der ich mich solistisch ausdrücke, aber werde dennoch der Dichtung und Sprache und damit Heinrich von Kleist gerecht. Ich bin Erzähler und schlüpfe dabei in acht Rollen. Und dabei drücke ich die auf etwa 70 Minuten gekürzte Fassung nicht in ein Korsett, da ich die Zusammenhänge für meine Zuhörer klar heraus arbeite.

Bei mir stehen die mythischen Geschehnisse um Sylvester über Ostern bis zu dem flammenden Pfingstfest im Vordergrund, gepaart mit dem Mut und der Beständigkeit des Käthchens. Während jedoch bei Kleist die Männer über sie hinweg zu ihrer Eheschließung entscheiden, hat bei mir sie selbst das letzte Wort!

 

Erstaufführung: 20. November 2011
Dauer: ca. 70 min. im Original
Zuschauer: jeden Alters, die Freude an „humoristischen Geistesblitzen“ haben!
Auch spezielle Schülervorführungen möglich!

Werbematerial: Handzettel und Plakate stelle ich Ihnen nach Terminabsprache gerne zur Verfügung

 

Heilbronner Stimme:

http://www.stimme.de/heilbronn/kultur/Posthum-muss-er-das-Kaethchen-ertragen;art11930,2879235

Posthum muss er das Käthchen ertragen

Von Leonore Welzin

 

Posthum muss er das Käthchen ertragen

Starkes “Käthchen”-Solo: Eunike Yumika Engelkind.

Foto: Leonore Welzin

Heilbronn – Es ist Goethes 48. Geburtstag. Zufällig in Heilbronn, genehmigt sich der Dichter eine Kutschfahrt auf den Wartberg und ist angetan von den Weinbergen, dem Blick ins Neckartal, dem lauen Wind und der hinter Wimpfen untergehenden Sonne. “Alles, was man übersieht, ist fruchtbar” notiert der Dichter am 28. August 1797 in sein Reise-Tagebuch.

200 Jahre später, 1997 greift ein Club traditionsbewusster Heilbronner, allen voran der Journalist Uwe Jacobi und der Leiter des Kleist-Archivs-Sembdner, Günther Emig, das geschichtsträchtige Ereignis auf: Bei strömendem Regen lässt man sich in einem Zweispänner à la Goethe auf den Gipfel kutschieren.

Die Geburtstagsgaudi wird mit wechselndem Programm alljährlich wiederholt. In diesem Jahr feiern rund 100 Fans den Jubilar mit Kleists “Das Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerprobe”. “Ich will das Käthchen vom Kitsch befreien”, so das Credo von Eunike Engelkind, deren Aufführung wegen des unbeständigen Wetters nicht im Freien, sondern im Speisesaal des Restaurants gezeigt wird. In der Goethe-Stadt Frankfurt aufgewachsen und durch die Waldorfpädagogik mit Klassik und Mystik vertraut, ist die Figur für Engelkind keine Somnambule, die naiv dem Mann ihrer Träume hinterher läuft.

Die Darstellerin hat die fünf Akte des Ritterschauspiels zu einem Solo verdichtet. Bis auf zwei Stühle verzichtet sie auf Bühnendekor und Requisiten, setzt ganz auf Rhetorik, Rhythmus, Mimik und Gestik, um präzise und textsicher einen ausdrucksstarken, einstündigen Bogen zu spannen. Der Stoff, den sie als Auseinandersetzung der Protagonistin mit den Elementen Luft, Feuer und Wasser versteht, gleicht einer spirituellen Reifung, die in einer Art mystischer Hochzeit endet.

Engelkind wird mit Lob überschüttet. “Ungeheuer mutig, ein so schweres Stück in persönlicher Bearbeitung in einem Rutsch durchzuspielen”, sagt Johannes Bahr, Schauspieler am Theater Heilbronn.

Kleist und Goethe? Als ihm, dem fast 60-jährigen Direktor des Weimarer Hoftheaters 1808 Kleists “Käthchen” vorgelegt wird, gerät er in Rage: “Ein wunderbares Gemisch von Sinn und Unsinn!” Er soll das Buch mit den Worten: “Das führe ich nicht auf, wenn es auch halb Weimar verlangt!” ins Feuer geworfen haben. Der Dichterfürst muss nicht nur das “Käthchen”, auferstanden wie ein Phönix aus der Asche, posthum ertragen, er sollte einsehen, dass Kleists Frauenbild wesentlich fortschrittlicher war als das seine.