Mignon

Mignon

~So lasst mich scheinen bis ich werde~

Nach Wilhelm Meisters Lehrjahre von Johann Wolfgang von Goethe

Ein Theaterprogramm von Yumika Eunike Engelkind mit Gesang von Lena Sutor-Wernich / Raphaela Stürmer

Der unglücklich verliebte Kaufmannssohn Wilhelm Meister bricht aufgrund einer Schicksalsreihe von Missverständnissen aus den sicheren Verhältnissen seines Elternhauses aus, um in der Welt des Theaters eine freiere Entfaltungsmöglichkeit zu suchen. Auf seinen Reisen trifft er die in Knabentracht erscheinende Mignon, die er von einer Seiltänzergesellschaft frei kauft und an Kindes statt annimmt. Als er sich dazu entschließt, sie in die Obhut der Gutsbesitzerin Nathalie unter zubringen, um etwas für ihre Bildung zu tun, erwidert Mignon: ich bin gebildet genug, um zu lieben und zu trauern. 

Johann Wolfgang von Goethe
verfasste Wilhelm Meisters Lehrjahre und den Faust zeitgleich. Während Faust mal Medizin studiert hat, wird Wilhelm im Laufe des Entwicklungsromans der Wanderjahre erst zum Arzt werden, ganz im Zeichen der Brüderlichkeit, der Heilkunst. Zuvor hat er doch wie jeder junge Mensch durch Irrungen und Wirrungen des Lebens zu gehen. Somit nennt ihn Hermann Hesse ein Genie des Erzogenwerdens!

Mignon
Im Gegensatz dazu steht Mignon. Erst im Gewande des Knaben (zu jenen Zeiten waren Beinkleider am weiblichen Geschlechte verpönt), später in einem weißen Kleide, erscheint sie als geheimnisvolles androgynes Wesen. Sie gilt dadurch urbildlich für das Rein-Menschliche, das Brüderliche. Dies ist auch zu sehen im Hinblick auf alle Wilhelms Zuneigung und Liebe findenden Frauengestalten, die zuerst immer in männlicher Kleidung erscheinen. Die Liebe kann kein Trieb sein, als ein Handlungstrieb zur Brüderlichkeit, oder wie Mignon singt: Und jene himmlischen Gestalten, sie fragen nicht nach Mann und Weib. Und keine Kleider, keine Falten umgeben den verklärten Leib. Sie bleibt das Urbild der reinen Kinderseele, die nicht erdenreif werden kann und will.

Pressestimme:

Meister in Stuttgart

“Die Cafeteria verwandelte sich letzten Sonntag in einen Jahrmarkt mit tanzenden Bären, durchweht vom Geruch gebrannter Mandeln, in dessen Mitte ein kleines Mädchen in Knabenkleidern auftaucht – ‹Mignon›. Sie weigert sich, ihr Kunststück vorzuführen, woraufhin ihr Herr mit der Peitsche ausholt. Ein Sonderling, gerufen ‹Wilhelmen›, rettet sie und nimmt sie an Vaters statt an. – Seit fünf Jahren lebt die große Erzählung ‹Wilhelm Meister› in der Seele von Yumika Engelkind. Die Mignon-Episode aus dem Meister hat es ihr besonders angetan und so verdichtet sie diese in  das Bühnengeschehen. Manche Textstellen hat sie ergänzt, andere dem gesprochenen Wort gefügig gemacht. Und zwischen den Zeilen berührt die Stimme Lena Sutor-Wernichs. Yumika erscheint als marsgleiche Aurelie, die anstatt eines Fächers einen Dolch mit sich trägt, antwortet sich selbst als Wilhelmen mit etwas zu sicherer Stimme und verzückt als reine Seele, als Mignon. Das Zittern ihrer Stimme, das bis zur Träne Gerührtsein vom Stoff, versteckt sie nicht. – Bühnenabende über Bettine von Arnim oder das Käthchen von Heilbronn und Caspar gehören zu Yumika Engelskinds Repertoire, mit dem sie Biografien der Romantik aufschließt. 

        Philipp Tok/ Jonas von der Gathen” Goetheanum Nr.5/2012

Geschichte der Mignon in neuem Gewand

Eunike Engelkind erzählt im Festsaal des Hauses Hohenstein von der Geschichte der Mignon und setzt sie auf der Bühne in Szene. Die Schauspielerin verfasste aus Passagen des Romans die Geschichte der Mignon und macht sie damit zur Hauptfigur des Stückes. Und das alles, ganz ohne von Goethes stolzem und erhabenem Stil abzuweichen. Die Künstlerin erzählt die Geschichte von Mignon und Wilhelm Meister und untermalt diese mit schauspielerischen Elementen. So nimmt ihr Körper eine untergebene Haltung ein, ihre Stimme verwandelt sich zu der von Mignon: zittrig, hell und kindlich verunsichert. Sie lässt die leidende Mignon im Laufe des Stückes erwachsener werden… Sarah Schwellinger Murrhardter Zeitung, 12.Februar 2013