Kaspar

Kaspar

Zum 200.Geburtstag des Erbprinzen von Baden
Ein Solo Theaterprogramm von und mit Yumika Eunike Engelkind
Pfingstmontag 1828 war es, da kam ein Jüngling zu Nürnberg…
Wem mögen solch Worte in diesem Jahr wohl nichts verheißen? Ja, genau, die Rede ist von Kaspar Hauser!
Wie wäre es wohl Stephanie de Beauharnais (1789-1860), Adoptivtochter Napoleons, Gemahlin des Großherzogs Karl von Baden und somit Mutter des 1812 geborenen Prinzen von Baden einmal zu Wort kommen zu lassen?Und so beginnt sie einen Bogen zu spannen, von ihrer eigenen Geburtszeit um die Wirren der Französische Revolution herum. Selbst von den Eltern verlassen, die Mutter jung gestorben, der Vater sich nicht kümmernd, nimmt sich eine britische Lady ihrer an und lässt sie zunächst unter Nonnen auf dem freien Lande aufwachsen, bis Napoleon sie zu sich holt und ihr eine standesgemäße Erziehung zu teil werden lässt. Als er Kaiser wird, beschließt er sie zu adoptieren um sie ebenbürtig mit dem Erbprinzen Karl von Baden zu vermählen. Fünf Jahre vergehen bis sie einander näher kommen, und sie sich sodann durch die Geburt ihrer Kinder in der Verantwortung einer Mutter befinden wird.Was geht in ihr vor, die ihren Sohn plötzlich für tot erklärt bekommt? Sie wollte ihn Gaspard nennen.
Doch das unsichtbare Band zwischen sich spürend, begibt sie sich nach Jahren wieder auf die Suche, mit der Frage was den Menschen wesentlich aus macht? Wer begegnet ihr in der Gestalt des Jünglings von Nürnberg?Stephanie, nun Großherzogin von Baden, lädt ein, Anteil zu nehmen an seinem Geschicke.Meine Bearbeitung:Es ist mein Anliegen das Schicksal Hausers ganz neu aufzugreifen und es aus der Sicht Stephanie de Beauharnais zu erzählen. Dieser Griff erlaubt es auch auf geschichtliche so wie politische Hintergründe zu blicken. Dabei wird die Bilderwelt durch immer wieder kehrende Metaphern doch stets lebendig gehalten, sodass dieses Programm auch Schülern, die in Geschichte zuweilen einschlafen, gleich einem prächtigen Farbbogen erscheint und mehr Interesse wecken wird.
Mit den Augen einer Mutter beleuchtet sie sein Schicksal eindringlich und mitfühlend, erkennt endlich ihr eigenes Handeln und ergreift das Wort. Sie, selbst geboren inmitten der Französischen Revolution, fordert nun die großen Parolen: Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit für das Erbe des am 17.Dezember 1833 zu
Ansbach verstorbenen Jünglings namens Kaspar Hauser, dessen letzte Worte waren:
Sein Wille geschehe…Erstaufführung: 30. September 2012

Aufführungszeitraum: Michaeli bis Dezember 2013
Schauspiel, Bearbeitung, Inszenierung: Yumika Eunike Engelkind
Musik: Mareike & Zdenek von Richard
Requisiten: Werden mitgebracht
Beleuchtung: Einfache Standbeleuchtung
Werbematerialien: Werden mitgebracht

Stephanie und ihre Trauer um den verlorenen Sohn

Im Solotheaterstück “Kaspar” nähert sich Yumika Eunike Engelkind im Café Fräulin dem tragischen Mythos des Kaspar Hauser.

ZELL IM WIESENTAL. Das Schicksal des geheimnisumwitterten Findlings Kaspar Hauser bewegt die Menschen nach wie vor stark. Dies zeigte sich am großen Interesse an dem Theaterstück “Kaspar” von und mit Yumika Eunike Engelkind, das im Zeller Kulturcafé Fräulin viele Zuschauer nachhaltig beeindruckte.

Die junge Schauspielerin und Autorin aus Stuttgart nähert sich in ihrem Soloschauspiel aus besonderer Sichtweise dem tragischen Mythos des Kaspar Hauser, von dem vermutet wird, er sei der Erbprinz von Baden gewesen.

Yumika Engelkind spielt in ihrem Stück Stéphanie de Beauharnais, die spätere Großherzogin von Baden. Sie reflektiert deren Leben, die dramatischen Geschehnisse nach der Geburt des Thronerben und die abgrundtiefe Trauer um den verlorenen Sohn “Gaspard”. Mit lebhafter Gestik, ausdrucksvoll in der Mienen- und Gebärdensprache und mit wunderbarer Sprechkunst verkörpert Yumika Engelkind die Gefühle und Seelenbewegungen der etwas launischen Stéphanie. In Haltung, Bewegung und Sprechweise macht sie den Charakter dieses Mädchens glaubhaft, das Napoleon “aus der Mitte ihres Herzens” verehrt und bei seiner Krönung zum Kaiser in Notre-Dame dabei ist. Sie fühlt sich als “Tochter Frankreichs” und nimmt den Prinzen Carl von Baden, den sie heiraten soll, kritisch unter die Lupe: die Figur “von wenig Vorteil”, aber ein höflicher Mensch von Charakter und Freundlichkeit. “Glücklich, nein, glücklich war ich nicht”, lässt Yumika Engelkind ihre Stéphanie sagen, die in der Ehe nur Knechtschaft sah.

Sehr intensiv und emotional bewegend wird das Solo in den Szenen, in denen Engelkind die Visionen der Stéphanie, die Geburt des lang ersehnten Erbprinzen und den Schmerz der Mutter über den Verlust des Sohnes schildert.

In ihrem dichten, sehr poetischen und literarischen Text hat sich die Künstlerin von Tagebuch-Aufzeichnungen der Stéphanie und vor allem von Schillers “Demetrius” und “Johanna von Orleans” inspirieren lassen. Sie hat auch originale Schiller-Zitate eingebaut, die zum Kaspar-Thema passen: “Ich hab um ihn getrauert 16 Jahr, doch seine Asche sah ich nie. Ich glaubte der allgemeinen Stimme seinen Tod. Und meinem Schmerz”. Verwoben mit dem gesellschaftlichen und politischen Hintergrund jener Zeit, gelingt Yumika Engelkind ein einfühlsames Porträt der Stéphanie von Baden, deren Gedanken, Empfindungen und Lebensstationen sie lebhaft und ergreifend darstellt.

In einer Szene lässt sie Stéphanie ihr “tiefstes Geheimnis” verraten: Dass sie sich an Pfingsten 1832 selbst ins Frankenland aufmachte, um insgeheim den Findling zu sehen, und in ihm ein Ebenbild ihres Mannes erkannte.

Wie intensiv sie sich auf die Spuren des Kaspar Hauser begeben hat, verriet Yumika Engelkind auch im Gespräch mit dem Publikum nach dem beeindruckenden Theatersolo.

Noch eine Pressestimme!

Schauspielerin erinnert an Kaspar Hauser

Historie wird lebendig

Zum 200. Geburtstag von Kaspar Hauser hat die Schauspielerin Eunike Engelkind den Gästen im Maulbronner Hölderlin-Haus dessen Schicksal eindringlich vor Augen geführt. Vor 200 Jahren kam der erste Thronfolger des Großherzogtums Baden zur Welt, dessen Schicksal bis heute Rätsel aufgibt. Sie ließ die Ereignisse im Erleben Stefanie, geborene de Beauharnais, vor den zahlreichen Besuchern lebendig werden. Richtete sich der Fokus zunächst auf das Aufwachsen Stefanies in Paris während der Revolution, wo Napoleon sie adoptierte. So fügte sie sich seinem Wunsch, sich mit Herzog Karl von Baden zu vermählen. Diese Aufgabe verstand sie als Berufung, die Mutter eines Sohnes zu werden, der die Welt verbrüdern sollte, was Napoleon nicht gelungen war. Die Schauspielerin entfaltete in der Folge alle Gefühlsschattierungen von tiefer Trauer bis zur Hoffnung beim Auftauchen Kaspar Hausers.  Lässt sich erahnen, was eine Mutter durchmacht? Nun wechselt auch der Sprachrhythmus, um ganz in die Dramatik von Schillers „Demetrius“ und „Die Jungfrau von Orleans“ einzutauchen, Textpassagen, die sie mit selbstverfassten zu einem neuen Ganzen komponiert hat… Die Besucher zeigten sich von der schauspielerischen Leistung so beeindruckt, dass zunächst niemand in der Lage war, das Schweigen zu durchbrechen. Erst, als die Schauspielerin wieder erschien, wurde ihr herzlich gedankt. Krauß, Mühlacker  Tagblatt, 18. Oktober 2012

Pressetext Südkurier